kobik„Hilfe, unser Internet soll zensuriert werden“ – dieser Aufschrei aus unserem nördlichen Nachbarland ist nicht zu überhören.

Und ganz ehrlich – ich habe mitgeschriehen. Ich habe etwas gegen Bevormundung, und Zensur halte ich für eines Rechtstaates unwürdig.

Um was geht es? Gemäss eines Gesetzentwurfes sollen die Internet-Provider verpflichtet werden, eine vom Bundeskriminalamt vorgegebene Liste von Webseiten mit strafbaren Inhalten zu sperren. Dies soll geschehen, indem zu sperrende DNS-Namen auf ein Stoppschild mit weiteren Hinweisen umgeleitet werden. Mehr zu diesem Gesetz findet sich auf Wikipedia.

Die Idee einer Sperre auf DNS-Ebene hört sich für Profis ausgesprochen DUMM an – lässt sich eine solche Sperre doch innerhalb weniger Sekunden umgehen. Wie eine DNS-Sperre funktioniert, wird in diesem Video eindrücklich gezeigt.

Wer die Sperre umgehen will, findet auf Youtube die entsprechenden Anleitungen.

Die einfache Umgehung der Sperre wird von vielen bemängelt – für mich ist dieser Umstand der einzige Grund, der Idee zustimmen zu können. (Die Frage, ob dies von den Politikern beabsichtigt wurde, lassen wir besser weg.)

In der Diskussion um die Sperren äussert Ursula von der Leyen unter Anderem das Argument, dass eine DNS-Sperrung in andern Ländern wie Dänemark, Norwegen oder der Schweiz bereits vorgenommen wird.

Da horcht der Schweizer auf – „Wie? Bei uns wird das Internet zensuriert?“
Google half mir aus der Klemme; es ist wirklich so, dass in der Schweiz die Provider vom Kobik gebeten wurden, eine entsprechende Liste in ihre DNS-Server einzupflegen. Gebeten wurden ist laut diesem Bericht übrigens die richtige Wortwahl. Auch das Kobik äussert sich auf Nachfrage entsprechend.

Diese Freiwilligkeit ermöglicht mir, die Massnahme im Zusammenhang mit der einfachen Möglichkeit der Umgehung als das zu sehen, was ich mir wünsche:
Als ein kleiner Betrag dazu, nicht „Tech- und Internetoiden“ Eltern zu helfen, ihre neugierigen Kinder vor dem zu schützen, was ihnen schadet. Dies könnte aber meiner Meinung nach viel besser dadurch gelöst werden, dass die Provider standartmässig „kastrierte“ Zwangs-DNS-Server anbieten, der Vertragsnehmer aber die Möglichkeit hätte, die Filterung seinen Wünschen anzupassen. Standartmässig deshalb, weil es meinen Erfahrungen nach so ist, dass Otto-Normalverbraucher noch immer nicht gemerkt hat, dass das Internet mindestens so gefährlich sein kann, wie die Langstrasse bei Nacht.

Es wäre schön, wenn unsere Regierungen nicht versuchen würden, uns zu bevormunden, sondern das Problem an den Wurzeln packen würden.
Schliesst Kinderporno- und andere illegale Seiten (Der grössere Teil der in Norwegen gesperrten Domainnamen stehen übrigens in Staaten, die Gesetzte gegen Kinderpornographie haben), gebt den Laien ein Mittel Ihre Kinder zu schützen und glaubt den Profis, dass sie wissen, was sie tun.

Wenn ich eine bestimmte Seite im Internet sehen will, dann sehe ich sie mir an – dies kann auch die Zensur in China nicht verhindern…

P.s. bei meinen Recherchen für dieses Thema habe ich festgestellt, dass Ticinocom einer der Provider ist, die mitmachen bei der DNS-Umleitung.

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  1. Pingback: Zensur - test and fail « blog.chrugail.ch

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